Belästigung
In den deutschen Medien wird das französische Anti-Burka-Gesetz heftig kommentiert. Man ist dafür oder dagegen mit Argumenten, die schon tausendmal wiedergekäut wurden. Mir fällt auch nix neues ein. Es ist halt eine Glaubensfrage, oder eine Frage der Anschauung. Man hat eine Position und wickelt um diese den Lappen rationaler Begründung, oder was man dafür hält. Ich lasse es dabei und reduziere das Problem auf die Frage, woher kommt diese Ganzkörperverschleierung. Aus islamischen Ländern, ist doch klar. Nix is klar, denn selbst dort tragen nicht alle Frauen Burka, Niqab oder dergleichen, nicht einmal alle ein Kopftuch. Aber es steht doch im Koran. Stimmt, fast, denn in Sure 33, Vers 59 steht:
O Prophet! sprich zu deinen Frauen und deinen Töchtern und zu den Frauen der Gläubigen, sie sollen ihre Tücher tief über sich ziehen. Das ist besser, damit sie erkannt und nicht belästigt werden. (nach Ahmadeyya)
Allah hat sich hier gegenüber Mohammed aber nicht als Modeschöpfer geriert, sondern unzweifelhaft schon vor dieser Eingebung muss es die Tücher gegeben haben, in die sich Menschen gewickelt haben, wenn sie außer Haus gingen, nicht nur Frauen und nicht nur auf der arabischen Halbinsel. Kleidung schützt vor Sonne, Kälte, Staub, Sand und … Belästigung.
Aha, Männer belästigen Frauen. Das hat Allah glasklar erkannt. Aber nur Frauen von Ungläubigen und die erkennt man daran, dass sie unverhüllt durchs Leben gehen. Aber Allah traut dem Braten nicht, denn in der obigen Version des Koranverses fehlt etwas, was in allen anderen Versionen steht und nach Rassoul z.B. so lautet:
So ist es am ehesten gewährleistet, daß sie (dann) erkannt und nicht belästigt werden.
Also das mit dem Tücher tiefer ziehen muss nicht klappen und überhaupt, wie tief und was für Tücher?
Übrigens geht es bei diesem Vers gar nicht um Frauen, sondern um deren Ehemänner und Väter. Die werden angesprochen, soweit sie gläubig sind. Da ein Muslin auch eine Nichtmuslimin heiraten darf (umgekehrt ist es verboten, eine Muslimin darf keinen Ungläubigen ehelichen), gilt das “Tuch tiefer” auch für ungläubige Frauen. Einzige Voraussetzung ist, der Mann muss glauben.
Mohammed, ein Mann, bekommt also von Allah den Auftrag, den Frauen der gläubigen Männer zu erzählen, sie sollen ihre Tücher auf der Straße tiefer ziehen, damit die Gefahr von Männern belästigt zu werden sinkt. Das ist nicht sehr gleichberechtigend und Männern gegenüber diskriminiernd, aber OK, Allah weiß es besser. Aber warum hat er sich so unpräzise ausgedrückt? Na ja, vielleicht hat er sich gedacht, die Menschen haben Verstand und werden schon wissen, was ich meine. Über die Augen werden sie sich das Tuch nicht ziehen, sonst stolpern sie herum. Und “ziehen” (nach anderen Übersetzungen “herunterziehen”) ist doch auch klar, bedeutet jedenfalls nicht “heraufziehen”.
Das aber tun Niqab-Trägerinnen. Sie ziehen ein Tuch herunter und ein anderes herauf, so dass im Treffpunkt beider Tücher nur die Augen frei bleiben. Davon steht im Koran aber nix und dass diese Damen auch noch Handschuhe tragen ist neumodischer Schnickschnack, denn so etwas gab es zu Mohammeds Zeiten noch nicht.
Nun wissen wir schon mehr: Es geht um ein vorislamisches Kleidungsstück, das von HMV Mohammed zum Signal umfunktioniert wurde. “Belästige mich nicht, ich bin die Frau (Tochter) eines Gläubigen.” Seit damals hat sich aber einiges geändert. In Saudi-Arabien, Mohammeds Heimat, gibt es fast keine ungläubigen Männer mehr, also muss jede Frau irgendwie einem Gläubigen zugerechnet werden, also verlieren sich die Objekte belästigender Begierde gegen Null, zumal sich Allahs Anweisung ja nur an Gläubige richtet. Da sich ungläubige Männer nicht an seine Offenbarungen halten müssen, können sie fleißig weiter belästigen … ihresgleichen, ungläubige Frauen, oder richtiger Frauen von Ungläubigen. Folglich müsste sich in Saudi-Arabien der Niqab oder ähnliche Gesichtsschleier überlebt haben.
Nun ist er aber gerade dort Gesetz – teilweise. Ausgerechnet für Mekka und Medina gilt die Pflicht, dass Frauen ihr Gesicht verschleiern müssen. Nun nehmen wird das mal logisch. Nach Mekka darf kein Ungläubiger. Dort gibt es nur Gläubige und gerade dort scheint die Gefahr der Belästigung besonders hoch zu sein, oder warum gibt es dieses Gesetz?
Fassen wir zusammen: Männer belästigen Frauen. Das war schon immer so, auch vor Mo’s Zeiten und daran hat auch der Koran nix geändert. Gläubige Männer sollen aber keine Frauen von gläubigen Männern belästigen (ungläubige Männer auch nicht, aber denen kann es egal sein, fast). Die Aussage der Niqab aber auch jeder anderen Form von Gesichtsschleier, ja sogar des Kopftuchs, ist: Belästige eine Andere, mein Mann (Vater) ist Muslim. Es geht in dieser Sure 33:59 definitiv nicht um den Glauben der Frau, sondern um den des Mannes. Dessen Frau/Tochter soll nicht belästigt werden und das soll seine Tochter/Frau rüber bringen durch Schleier und Co.
Das kann durchaus freiwillig geschehen, ändert aber nix daran, dass diese Aussage sexistisch ist. Die verschleierte Frau mag sich in ihrer Unsichtbarkeit sicherer fühlen, aber das ist nicht der Ursprung der tiefen Tücher im Koran. Der Koran unterscheidet sehr genau zwischen gläubigen Frauen und Frauen der Gläubigen. Nur einen Vers vorher ist von “gläubigen Frauen” die Rede. Im Vers 59 spielt der Glaube der verschleierten Frau keine Rolle. Auch die ungläubige Frau eines gläubigen Mannes soll die Tücher tiefer ziehen. Es geht also um den Schutz des Mannes. Sein “Eigentum” soll nicht belästigt werden.
Im Kern ist das Burka-Signal also eine Warnung des Mannes an andere Männer. Ob man es deshalb verbieten muss? Das ist eine Glaubensfrage.
Tags: Integration, Islam, Medien

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