Nichts dazu gelernt

Die amerikanische Juristin und Fast-Philosophin Martha Nussbaum hat sich in ihrem Buch “Liberty of Conscience. In Defense of America’s Tradition of Religious Equality” schon einmal vor zwei Jahren an der Burka abgequält und die europäischen Verbotstendenzen als unfreiheitlich gegeißelt. Dabei kamen dann so Weisheiten raus, dass auch Chirurgen eine Gesichtsmaske trügen. Martha Nussbaums damalige Verteidigung des Gesichtsschleiers war so dämlich, dass sie es nun im Blog der New York Times noch einmal versucht hat. Die Frankfurter Rundschau hat den Artikel übersetzt und nachgedruckt. Es ist nicht besser geworden. In blanker Unkenntnis europäischer Verhältnisse und verhaftet in ihrem amerikanischen Elfenbeinturm der reinen Rechtslehre muss für Nussbaum die amerikanische Verfassung dafür herhalten, dass das Burkaverbot das Gefängnis ist, von dem man Frauen ja eigentlich befreien will. Erschreckend ist jedoch, wie wenig Nussbaum vom Islam versteht. Ein schöner Satz:

“Es gibt keinen Hinweis darauf, dass in muslimischen Familien solche Gewalt überproportional stark auftritt. In Anbetracht der engen Verbindung zwischen häuslicher Gewalt und Alkoholmissbrauch könnten gläubige muslimische Familien sogar seltener betroffen sein.”

Muslime saufen nicht nur Alkohol (nicht alle, aber nicht wenige), sondern haben auch detaillierte koranische Anweisungen, wie sie ihre Frauen zu schlagen haben. Über so viel Unwissen könnte man noch hinwegsehen, wenn Nussbaum zumindest erkennen würde, dass der Islam nicht nur Religion ist. Eigentlich ist er es nur am Rande, der Schale, die das allumfassende politische System, das dahinter steckt, mehr schlecht als recht bemäntelt, oder verschleiert, um im Bild zu bleiben. Und da man Mantel und Kern nicht trennen kann (es gibt nur einen unveränderlichen Koran), kann man an den Islam auch nicht die westlich-demokratische Messlatte der Religionsfreiheit anlegen. In den USA mit 0,5% Muslimen mag das kein Problem darstellen, aber in Europa sieht es anders aus. In Frankreich bewegt sich der Anteil der Muslime auf 10% zu und in Deutschland dürften es mittlerweile über 5% sein und dieser Anteil wird sich in 2 bis 3 Generationen allein aus demografischen Gründen mehr als verdreifachen.

Wenn Frau Nussbaum sich wenigstens mit der Frage auseinandersetzen würde, warum es bis vor knapp 30 Jahren keine Niqabs, ja noch nicht einmal Kopftücher in Europa gab, aber nein, deren Auftreten wird als Allah-gegeben vorausgesetzt. Dabei ist der seit Anfang der 1980er in Erscheinung tretende Retro-Islam ganz einfach als Politikum auszumachen. Er beginnt mit dem ersten “Gottesstaat”, Khomeini und Iran. Nun waren die Schiiten, die Abtrünnigen, die Obergläubigen und das konnten die “echten” Koranisten, die Sunniten, nicht auf sich sitzen lassen. Seit dem wetteifern diese Hauptströmungen darum, wer nun muslimischer ist. Tja, und da die Schiiten im Iran keinen Gesichtsschleier fordern, mussten die Wahabiten einen draufsetzen und haben die Niqab verordnet. Hat natürlich nur was mit Glauben zu tun, nix mit Politik.

Es sind nicht die Ahnungslosen, sondern die Intellektuellen, die mit ihrem Scheinwissen den Islamisten Vorschub leisten.

Mehr zum Thema:

Druckversion

Geschrieben von Labersack am 23.07.2010, 16:32 in Gesellschaft |

Tags: , ,

Kommentare

Bisher keine Kommentare

Ihre Meinung: